Geschichte

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr

Von den Anfängen bis zur Gründung der Feuerwehr Uhingen 1886

Ihr ganz besonderes Augenmerk mussten die Menschen schon seit Jahrhunderten auf die Bekämpfung des Feuers legen. Noch vor 250 Jahren waren auch in Uhingen die Häuser überwiegend mit Stroh bedeckt, überall waren offene Kamine, Haus stand an Haus gebaut und dementsprechend groß war die Brandgefahr. Um eine einheitliche Regelung in der Feuerbekämpfung im Herzogtum Württemberg, zu dem auch Uhingen gehörte, zu erreichen, erließ Herzog Christof 1567 genaue Vorschriften über die Bekämpfung von „Brünsten“, wobei bestimmt wurde, dass jeder Einwohner bei Ausbruch eines Feuers eilends mit Geschirr und Waffen zum Brandplatz zu laufen habe. Besondere Feuerschauer wurden aufgestellt, die Jahr für Jahr die Feuerstellen und Kamine zu prüfen hatten. Auf jedem Dachboden mussten mit Wasser gefüllte Behälter aufgestellt sein. Auch der Nachtwächter hatte bei seinen Rundgängen sein besonderes Augenmerk auf das Feuer zu richten.

Herzog Karl Eugen erließ dann 1752 eine neue Landesfeuerordnung, um eine gewisse Ordnung bei der Brandbekämpfung zu gewährleisten. Unter der Regierung König Karl I, wurde 1885 die neue Landesfeuerlöschordnung verkündet, die bis zum Jahr 1937 in Kraft blieb. Vorgesehen waren in diesem Gesetz drei Arten von Wehren: die Freiwillige-, die Berufs- sowie die Pflichtfeuerwehr.

Für Uhingen kam nur die Bildung einer Pflichtfeuerwehr in Frage. Am 24. Juli 1886 beschlossen der Bürgerausschuss und der Gemeinderat eine vier Züge umfassende Wehr, bestehend aus 186 Mann neben den erforderlichen Führern, aufzustellen. Der erste Zug umfasste Steiger, Retter und Schlauchleger, der zweite die Spritzenmannschaft, der dritte die Wasserträger sowie der vierte die Flüchtungsmannschaft. Letztere hatte die Aufgabe Neugierige vom Brandplatz fern zu halten, den Hausrat aus dem Brandobjekt zu retten und zu bewachen. Der Dienst ging vom vollendeten 18. bis zum 45. Lebensjahr. Vom Dienst befreit waren der Pfarrer, der Lehrer, der Landjäger, der Eisenbahnstationsvorstand, der Expedient, der Eisenbahngehilfe, der Stations- und Bahnwärter, der Postmeister und der Briefträger.

Eine Aufstellung über Feuerlöschgeräte und Ausrüstungsgegenstände aus dem Jahr 1888 zeigt auf, was damals an Gerätschaften vorhanden war: 3 Blechbutten, 6 Blechschapfen, 11 Blechkübel, 3 Erdölfackeln mit Windschirm und Stativ, 1 Gerätekarren, 12 verschiedene Leitern und noch einige andere Dinge. 1902 besaß die Wehr zusätzlich eine vierrädrige Saugfeuerspritze, eine zweirädrige Karrenspritze, 100 m lange und 230 mm enge Druckschläuche und anderes mehr. Untergebracht waren die Gerätschaften der Wehr im Uhinger Rathaus in der Kirchstrasse.

An der Spitze der Wehr stand der Kommandant. Der erste Kommandant war Schultheiß Albert Ott, der vor seiner Wahl zum Uhinger Ortsvorsteher 1884, die Faurndauer Wehr geführt hatte. Dieses Amt führte er bis 1904 aus, dann gab er die Führung an Schreinermeister Heinrich Heidle ab.

Aus der Uhinger Wehr wird 1909 eine Freiwillige Feuerwehr

23 Jahre bestand die 1886 eingeführt Pflichtfeuerwehr. Als aber die Gemeinde durch die Erbauung einer Hochdruckwasserleitung, in der 78 Hydranten eingebaut waren, die Wassernot behob, beschloss der Gemeinderat im Jahr 1909 die Umwandlung der bisherigen Pflichtfeuerwehr in eine freiwillige Feuerwehr. Sie bestand nunmehr aus 116 Feuerwehrmännern. Das Eintrittsalter wurde auf das 20. Lebensjahr festgelegt, über das 45. Lebensjahr hinaus brauchte kein Dienst mehr verrichtet werden. Zum ersten Kommandanten der nunmehr freiwilligen Wehr wurde Eduard Rau, Kaufmann in der Bleicherei, bestellt.

Im Juni 1913 fand in Uhingen ein Bezirksfeuerwehrtag statt. Der Festplatz war bei der Turnhalle, wobei auch eine Übung bei den Gasthäusern Adler und Hirsch stattfand. In der anschließenden Kritik sagte der Verbandsvorsitzende Kübler, dass er solche vorzügliche Leistungen bei einer ländlichen Wehr noch nie gesehen habe. Im gleichen Jahr wurde Schultheiß Ott, der die Pflichtfeuerwehr ins Leben gerufen hatte und ihr 18 Jahre vorstand, zum Ehrenkommandanten ernannt. Schon ein Jahr darauf brach der 1. Weltkrieg aus. Manche Kameraden der Wehr zogen in den Krieg, die Zurückgebliebenen leisteten aber auch in diesen mehr als vier Kriegsjahren ihren Dienst an der Allgemeinheit.

Nach dem Zusammenbruch 1918 war es schwer geeignete jüngere Männer zum Dienst in der Feuerwehr zu finden. Zum ersten Mal sollte der Kommandant durch alle Angehörigen der Wehr gewählt werden, der Austritt aus der Wehr durfte schon mit der Vollendung des 40. Lebensjahrs erfolgen. Neuer Kommandant wurde 1919 Philipp Rümmelin.

Der Platzmangel im Magazin im Rathaus musste Ende der 20er Jahre recht groß gewesen sein. Damals war auch der Leichenwagen der Gemeinde im Gerätemagazin untergebracht, wogegen die Wehr beim Gemeinderat protestierte. Trotz der beginnenden Notlage begann die Gemeinde in der Lindenstraße (heute Oberdorfstraße) mit dem Bau eines neuen Feuerwehrmagazins. Das Gebäude wurde mit drei Boxen für Feuerlöschgeräte, einem Geräteraum, einer Kammer für den Kommandanten sowie einem Steigerturm erstellt. Mit der Fertigstellung der neuen Unterkunft Mitte 1931 erreichte die Weltwirtschaftskrise im Juli desselben Jahres ihren Höhepunkt. Im Deutschen Reich waren damals ca. 6 Millionen Menschen arbeitslos. Auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage beschloss die Wehr, auf Vorschlag des Kommandanten Wilhelm Steinbuch, die Einweihung auf bessere Zeiten zu verschieben. Die Wehr war jedoch recht dankbar, nunmehr ein Magazin zu haben, das allen damaligen Anforderungen genügte.

In all den Jahren gab es immer wieder Brände zu denen die Wehr gerufen wurde. Von allzu schweren Bränden wurde man jedoch verschont. Im Oktober 1928 wurde jedoch das Gasthaus Hirsch ein Raub der Flammen. Schon warf das kommende „3. Reich“ seine Schatten voraus. Wie überall sollte auch die Feuerwehr „gleichgeschaltet“ werden. Die Führung unter Kommandant Steinbuch trat zurück. An seiner Stelle wurde Schreinermeister Wilhelm Deuschle zum Kommandant gewählt. Das Jahr 1936 brachte eine Änderung im Feuerlöschwesen. Ein Motorlöschzug wurde eingerichtet, die Diegelsberger Feuerwehr nach Uhingen eingegliedert. Von 1942 bis 1946 führte Kommandant Wilhelm Kästle die Wehr.

Im 2. Weltkrieg wurden viele Angehörige der Wehr zum Kriegsdienst einberufen. Während es in den ersten Kriegsjahren wenig Luftalarme gab, steigerten sich diese von 1942 immer mehr, von 1944 nahmen auch die Tagesalarme zu. Bei jedem Alarm hatte sich die Wehr am Spritzenhaus einzufinden. Als am 1. März 1945 am helllichten Tag Bomben auf Göppingen fielen und dabei das Krankenhaus schwer getroffen wurde, war die Uhinger Wehr eine der ersten, die an der Unglücksstätte eintraf.

Vom Wiederaufbau nach 1945 bis zum neuen Feuerwehrhaus 2001

Nach dem totalen Zusammenbruch 1945 war es abermals außerordentlich schwer, geeignete Männer für den Feuerwehrdienst zu gewinnen. In Zivilkleidern, versehen mit einer Armbinde mit dem Aufdruck „Fireman“, kam man damals zusammen. Anfänglich wurde diese „Zivilwehr“ von Ludwig Kropf geleitet.Im Jahr 1946 wurde Heinrich Beuttenmüller als neuer Kommandant gewählt. Seit der Währungsreform 1948 wurde die Ausrüstung laufend modernisiert. Das erste motorisierte Feuerwehrfahrzeug wurde 1950 beschafft. Es handelte sich hierbei um ein Fahrzeug der Feuerwehr Geislingen, Fabrikat Magirus mit Vollgummibereifung, Baujahr 1921. Schon in den 1950er Jahren wurde eine Fernmeldeanlage zur Alarmierung installiert. Die Anschaffung wurde in den Jahren nach 1950 laufend gesteigert um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Größere Einsätze in den Anfängen nach dem Wiederaufbau waren der Brand bei Landwirt Müller, das Eisenbahnunglück 1952, die Hochwassereinsätze 1955 und 1958, das schwere Tankzugunglück 1967 in Albershausen sowie der Brand von Schloss Filseck 1971.

Im Jahr 1955 trafen sich die Wehren des Landkreises Göppingen in Uhingen zum Kreisfeuerwehrtag. Ein lang gehegter Wunsch ging 1970 in Erfüllung: Die Wehr legte sich eine Feuerwehrfahne zu.

Im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg Anfang der 70er Jahre wurden die Ortschaften Baiereck, Holzhausen, Nassach und Sparwiesen in die Feuerwehr Uhingen eingegliedert. Seitdem besteht die Uhinger Wehr aus zwei Einsatzabteilungen am Hauptort sowie je einer Einsatzabteilung in den Teilortwehren.

1974 musste das Magazin, welches 1931 mit drei Boxen gebaut wurde, drei Großfahrzeuge (LF 15, LF 16, TLF 16) einen Tragkraftspritzenanhänger und eine Anhängeleiter (AL 18) unterbringen, samt den sonstigen Ausrüstungsgegenständen. Wie die Jahre zuvor, konnte man sich seitens der Verwaltung nicht zu einem kompletten Neubau entschließen. Stattdessen wurden 1976 mit tatkräftiger Unterstützung der Feuerwehrmänner, zwei Fahrzeugboxen angebaut. Kommandant Beuttenmüller wurde 1975, nach 30jähriger Kommandantentätigkeit, zum Ehrenkommandanten gewählt. Nachfolger wurde für zwei Jahre Fritz Frey.

In der Hauptversammlung im Dezember 1980 wurde von der Hauptversammlung einstimmig die Gründung einer Jugendfeuerwehr beschlossen. Die Wehr unter Kommandant Steinbuch hatte damals die Zeichen der Zeit erkannt. Bereits im April 1981 konnten 13 Jugendliche in die neu gegründete Jugendfeuerwehr aufgenommen werden. Bis zum heutigen Tag bildet die Jugendfeuerwehr die Gewähr für den Nachwuchs in den Einsatzabteilungen.

Ein Jahr später 1982, wurde der ständig steigenden Zahl von technischen Hilfeleistungen Rechnung getragen und der Rüstwagen (RW 2) beschafft. 1986 wurde Gerhard Roth zum neuen Kommandanten gewählt. Die Wehr feierte im gleichen Jahr ihr 100jähriges Bestehen. Im Rahmen eines Festaktes wurde dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Im Juni 1986 wurde zusammen mit der Bevölkerung dieses Jubiläum begangen. Im Jahr 1989 fand in Uhingen-Holzhausen der Kreisfeuerwehrtag der Wehren des Landkreises Göppingen statt.

In all den Jahren nach dem Wiederaufbau stieg die Zahl der Einsätze kontinuierlich an und bewegt sich in den letzten Jahren um die 100 Einsätze pro Jahr.

In der Hauptversammlung 1991 erklärte Kommandant Roth: Uhingen ist eine der größten Wehren im Kreis und hat die schlechteste Unterkunft im gesamten Landkreis Göppingen. Was Jahrzehnte währte wurde dann endlich im Mai 1999 wahr – der Spatenstich für ein neues Feuerwehrhaus. Erstellt wurde die Unterkunft in zwei Bauabschnitten am selben Standort wo das Vorgängergebäude stand. Im Rahmen eines Festwochenendes im September 2001, wurde das Gebäude offiziell an die Wehr übergeben. Im Jahr 2001 trat Kommandant Gerhard Roth nach 15jähriger Tätigkeit als Kommandant nicht mehr zur Wiederwahl an und wurde 2006 zum Ehrenkommandanten ernannt. Seit 2001 wird die Feuerwehr Uhingen von Kommandant Erwin Frasch geführt.

Auf Anregung von Kreisbrandmeister Reick wurde Mitte 2010 eine Drehleiter (DLK 23-12) beschafft, um die Sicherheit im unteren Filstal deutlich zu erhöhen. Am 24. Oktober 2010 wurde die Drehleiter offiziell an die Wehr übergeben.